Nach dem tödlichen Angriff am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin dauern die Ermittlungen der Sicherheitsbehörden an. Während die Bundesanwaltschaft von einer mutmaßlich islamistisch motivierten Tat ausgeht und mögliche Hintermänner oder Mitwisser überprüft, hat sich nun erstmals der Vater des getöteten Tatverdächtigen öffentlich zu den Ereignissen geäußert.
Der 21-Jährige war am Sonntag bei einem Polizeieinsatz erschossen worden, nachdem er die Einsatzkräfte nach bisherigen Erkenntnissen mit einer Stichwaffe angegriffen haben soll. Bei dem Angriff im Berliner Tiergarten kam eine Frau ums Leben, 29 weitere Menschen wurden verletzt.
Vater schildert familiären Hintergrund
In einem Interview mit dem Spiegel sprach der Vater des Tatverdächtigen über dessen religiöse Entwicklung und das Familienleben.
Er erklärte, seine Familie gehöre dem schiitischen Islam an und unterstütze den sogenannten Islamischen Staat (IS) nicht. Nach seinen Angaben habe sein Sohn jedoch eine andere religiöse Ausrichtung entwickelt.
„Ich habe ihm nicht erlaubt, einen langen Bart zu tragen“, sagte der Vater. Rückblickend habe er darin ein mögliches Anzeichen einer zunehmenden Radikalisierung gesehen.
Ermittler prüfen weiterhin das Tatmotiv
Die Bundesanwaltschaft führt die Ermittlungen wegen einer mutmaßlich islamistisch motivierten Tat.
Nach Angaben der Ermittler wird derzeit untersucht, ob der Tatverdächtige allein gehandelt hat oder ob es mögliche Unterstützer oder Mitwisser gab. Die Hintergründe der Tat sowie der Verlauf einer möglichen Radikalisierung sind weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Die im Interview geschilderten Aussagen des Vaters konnten bislang nicht unabhängig bestätigt werden.
Familie zeigt sich erschüttert
Der Vater berichtete, die Nachricht habe seine Familie völlig unvorbereitet getroffen.
Nach seinen Angaben hätten die Schwestern des 21-Jährigen seit Samstagabend geweint. Auch die Eltern stünden unter dem Eindruck der Ereignisse.
Der Vater beschrieb seinen Sohn als einen emotionalen jungen Mann und erklärte, er könne sich die Tat nur mit einer Radikalisierung erklären.
Telefonat kurz vor dem Angriff
Nach Aussage des Vaters habe er noch am Samstag mit seinem Sohn telefoniert.
Das Gespräch sei nach seinen Worten völlig normal verlaufen. Der 21-Jährige habe gesagt, dass er seinen Vater vermisse und sich wünsche, bei seiner Familie im Libanon zu sein.
Welche Bedeutung dieses Telefonat für die laufenden Ermittlungen hat, ist derzeit nicht bekannt.
Ermittlungen zu den Hintergründen gehen weiter
Nach dem Angriff steht weiterhin die vollständige Rekonstruktion des Tatablaufs im Mittelpunkt der Ermittlungen. Die Bundesanwaltschaft wertet Beweismittel aus und prüft, welche Kontakte und möglichen Verbindungen der Tatverdächtige gehabt haben könnte.
Mit weiteren Erkenntnissen zum Motiv und zum Ablauf des Anschlags rechnen die Ermittlungsbehörden im Verlauf der kommenden Tage.













