Drei von vier Frauen ahnen nicht, dass die Wechseljahre neue psychische Leiden auslösen können

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Viele Frauen in der Lebensmitte spüren instinktiv, dass mit ihrem Körper und Geist etwas aus dem Takt geraten ist. Die Verbindung zur eigenen mentalen Gesundheit ziehen sie dabei jedoch kaum. Während Hitzewallungen, Schweißausbrüche in der Nacht oder ein nachlassendes sexuelles Verlangen allgemein als klassische Begleiterscheinungen der Menopause bekannt sind, bleibt ein wesentlicher Aspekt oft im Verborgenen. Dass gerade in dieser Lebensphase erstmals massive Stimmungsschwankungen, Panikattacken oder gar schwerwiegende psychiatrische Diagnosen auftreten können, haben nur die wenigsten auf dem Schirm.

Wissenslücke: Die mentale Wucht der Hormone wird unterschätzt

Eine aktuelle Erhebung aus Großbritannien bringt ein erschreckendes Informationsdefizit ans Licht: Knapp 75 Prozent der befragten Frauen ist nicht bewusst, dass der hormonelle Umbruch völlig neue psychische Erkrankungen hervorrufen kann. Gerade einmal 28 Prozent wissen, dass ernsthafte mentale Störungen – darunter klinische Depressionen oder bipolare Krankheitsbilder – in direktem Zusammenhang mit den Wechseljahren stehen können.

Im starken Kontrast dazu steht das Wissen über die physischen Symptome. So bringen stolze 93 Prozent die Umstellungsphase ganz selbstverständlich mit Hitzewallungen in Verbindung, und 76 Prozent wissen um die Auswirkungen auf die Libido. Die psychologische Komponente bleibt somit ein blinder Fleck, ironischerweise selbst für diejenigen, die gerade mittendrin stecken.

Perimenopause: Ein extremes Zeitfenster für die Psyche

Besonders die Perimenopause – jene Jahre, in denen der Hormonspiegel bereits massiv schwankt, die Periode aber noch nicht gänzlich ausbleibt – erweist sich als hochsensible Phase. Genau in diesem unberechenbaren Übergangszeitraum sind Frauen psychisch extrem verwundbar.

Die Königliche Gesellschaft der Psychiater im Vereinigten Königreich (Royal College of Psychiatrists) schlägt deshalb lautstark Alarm. Die Vertretung von mehr als 20.000 Fachärzten hat unlängst ihr allererstes, spezifisches Positionspapier zu diesem Thema veröffentlicht. Der Appell richtet sich eindringlich an die Ärzteschaft, politische Entscheidungsträger sowie Arbeitgeber. Laut den Experten sind diffuse Ängste, Reizbarkeit und tiefe Niedergeschlagenheit an der Tagesordnung. Bei manchen Betroffenen geht dies jedoch weit über alltäglichen Stress oder kleine Stimmungstiefs hinaus. Die massiven körperlichen Umwälzungen können regelrechte psychiatrische Notstände entfachen oder alte Wunden wieder aufreißen.

  • Das Risiko, an einer bipolaren Störung zu erkranken, verdoppelt sich in dieser Zeit.
  • Die Wahrscheinlichkeit für eine klinische Depression klettert um rund 30 Prozent nach oben.
  • Es besteht eine signifikant erhöhte Gefahr für das Wiederaufflammen von Essstörungen.
  • Die Suizidraten erreichen in der Altersgruppe der Frauen in den Wechseljahren einen traurigen Höhepunkt.

Frauen, die ohnehin eine genetische oder biografische Neigung zu affektiven Störungen haben, trifft es oft besonders hart. Wer bereits Erfahrungen mit einer postnatalen Depression oder extremen prämenstruellen Stimmungsschwankungen gemacht hat, trägt ein deutlich höheres Risiko für schwere Rückfälle.

Verborgene Gefahren: Essstörungen und Suizidalität

Fachleute betonen ausdrücklich, dass Essstörungen kein exklusives Problem von Teenagern sind. Sie können in der Menopause völlig neu entstehen oder nach jahrzehntelanger Ruhepause plötzlich wieder ausbrechen. Schwankendes Gewicht, eine sich wandelnde Silhouette und ein gesellschaftlich verstärkter Fokus auf das äußere Erscheinungsbild spielen hierbei eine Rolle. Gleichzeitig manipulieren die Hormone das Essverhalten sowie das tief verwurzelte Belohnungssystem in unserem Gehirn direkt.

Hinzu kommt die tragische Tatsache, dass Frauen im typischen Wechseljahresalter häufiger durch Suizid sterben als in anderen erwachsenen Lebensphasen. Ein toxischer Mix aus Schlafentzug, diffusen Ängsten, depressiven Verstimmungen und Beziehungsstress trifft oft auf die sogenannte „Rushhour des Lebens“ – die doppelte Pflegebelastung durch heranwachsende Kinder und alternde Eltern. Für einige wird dieser perfekte Sturm schlicht unerträglich.

Wird die mentale Dimension des hormonellen Umbruchs ärztlich nicht diagnostiziert, suchen Frauen die Schuld häufig bei sich selbst. Sie verorten ihre tiefgreifenden Beschwerden dann fälschlicherweise in einem persönlichen „Versagen“ oder mangelnder innerer Stärke.

Ungehört im Sprechzimmer: Wenn Ärzte falsch behandeln

Ein weiteres massives Problem ist die mangelnde Sensibilität in vielen Hausarztpraxen. Patientinnen, die über bleierne Erschöpfung, „Brain Fog“ (Gehirnnebel) und innere Leere klagen, verlassen die Praxis erschreckend oft mit einem Rezept für Antidepressiva. Dass jemand gezielt den Zyklusverlauf oder eine mögliche Perimenopause hinterfragt, bleibt die absolute Ausnahme.

Wie dramatisch die Folgen dieser ärztlichen Kurzsichtigkeit sein können, veranschaulicht der Fall von Sonja Rincón (43). Mit 35 Jahren suchte sie ihren Hausarzt auf, geplagt von unerklärlicher Müdigkeit und einem totalen Energieabfall. Sie schilderte, dass ihr Körper plötzlich streikte und ihr gesamtes Leben aus den Fugen geriet. Die medizinische Antwort? Ein klassisches Antidepressivum. Als die erhoffte Wirkung ausblieb, folgten Dosiserhöhungen und Präparatewechsel. An die Geschlechtshormone dachte schlichtweg niemand.

Sonja selbst wusste damals nicht einmal, dass der Begriff Perimenopause überhaupt existiert, geschweige denn, dass sie derartige Depressionen auslösen könnte. Als alleinerziehende Mutter kämpfte sie sich mühsam durch den Alltag. Die Fürsorge für ihre Tochter bekam sie gerade noch hin, doch berufliche Aufgaben, das Lesen eines Buches oder banale Hausarbeit fühlten sich wie unüberwindbare Berge an. Sie funktionierte nur noch mechanisch und fühlte sich innerlich völlig ausgebrannt.

Ganze sieben Jahre lang therapierte man sie fälschlicherweise auf eine klassische Depression, während die eigentliche Ursache unerkannt blieb. Erst als Freundinnen im gleichen Alter von Hitzewallungen berichteten und sie diese Symptome ebenfalls an sich bemerkte, fielen die Puzzleteile zusammen. Sie recherchierte eigenständig, forderte bei ihren Ärzten gezielte Untersuchungen ein und erhielt endlich die korrekte Diagnose: Perimenopause. Dank einer passgenauen Hormonersatztherapie fand sie zu ihrem alten Selbst zurück und konnte die Antidepressiva schließlich komplett absetzen.

Der hartnäckige Mythos vom „zu jungen“ Alter

Jahrelang wurde Sonja von Weißkitteln suggeriert, sie sei schlichtweg „zu jung“ für die Wechseljahre. Dieses fatale Argument hören zahllose Frauen in ihren Dreißigern oder frühen Vierzigern, insbesondere wenn ihr Menstruationszyklus noch keine drastischen Abweichungen aufweist. Dabei kann die heimliche Perimenopause bereits Mitte dreißig unbemerkt ihren Anfang nehmen.

Sonja plädiert daher vehement für eine fundiertere Ausbildung von Allgemeinmedizinern und Psychiatern. Wenn eine Mitte-30-Jährige mit unerklärlichen Schlafproblemen, Konzentrationsschwächen, Erschöpfung und emotionalen Ausbrüchen vorstellig wird, sollte die Perimenopause ganz oben auf der Liste der Differenzialdiagnosen stehen. Um Leidensgenossinnen pragmatisch zu unterstützen, entwickelte sie kurzerhand die Menotracker-App. Damit können Nutzerinnen ihre Symptome und Zyklusdaten akribisch aufzeichnen. So lassen sich beim Arztbesuch harte Daten und Muster präsentieren, statt nur vage Beschwerden zu äußern, die schnell als simpler Stress abgetan werden.

Ein doppelter blinder Fleck: Erschreckende Versorgungslücken

Leider finden nicht alle gesellschaftlichen Gruppen im Gesundheitssystem gleichermaßen Gehör. Eine Studie des University College London, die Schwarze Frauen im Vereinigten Königreich untersuchte, zeichnet ein zutiefst besorgniserregendes Bild. Gut 58 Prozent der Teilnehmerinnen gaben an, sich über die Menopause völlig unzureichend aufgeklärt zu fühlen. Viele beschrieben ihre Erfahrungen im Medizinsystem sogar als „psychologisch schädigend“.

Obwohl 53 Prozent der Befragten unter massiven Angstzuständen litten, bescheinigten ihnen ihre Hausärzte in der Regel lediglich eine allgemeine Angststörung oder Depression. Die Fachbegriffe „Menopause“ oder „Perimenopause“ fielen im Sprechzimmer nie. Die eigentliche hormonelle Ursache blieb folglich tabuisiert. Dementsprechend nutzten nur magere 23 Prozent der betroffenen Frauen eine Hormonersatztherapie (HRT) zur Linderung – eine signifikant niedrigere Quote als in anderen Bevölkerungsgruppen. Dies deutet stark auf eine toxische Mischung aus mangelhafter Aufklärung, kulturellen Hürden, schwindendem Vertrauen in medizinisches Personal und unbewussten Vorurteilen innerhalb der Pflege hin.

Wer nicht die richtige Ursachendiagnose erhält, greift logischerweise auch seltener zu Behandlungsansätzen, die wirklich Durchschlagskraft hätten – sei es eine moderne Hormontherapie oder spezifische psychologische Begleitung.

Vom Lehrplan bis zum Büro: Die Gesellschaft muss handeln

Die britischen Psychiater fordern Gesundheitsbehörden und Regierungen mit Nachdruck auf, keine weitere Zeit zu vergeuden. Sie verlangen, dass das komplexe Zusammenspiel von Menopause und psychischer Gesundheit zu einem obligatorischen Bestandteil aller medizinischen und psychiatrischen Fachausbildungen wird. Wer Frauen medizinisch betreut, muss zwingend verstehen, wie Hormone und die Gehirnchemie interagieren.

Parallel dazu braucht es klare Richtlinien in der Arbeitswelt. Es geht dabei nicht nur um großzügige Homeoffice-Regelungen oder flexible Arbeitszeiten. Vielmehr ist eine Arbeitskultur gefragt, die mentale Belastungen anerkennt: Verständnis für temporäre Konzentrationsengpässe, Flexibilität für Arztbesuche und gut geschulte Führungskräfte, die diese Alarmsignale erkennen, anstatt sie als bloße „Überarbeitung“ abzuwerten.

Die britische Regierung hat als Reaktion bereits erste Schritte in die Wege geleitet: Gezielte Fragen zur Menopause sollen in routinemäßigen Gesundheitschecks verankert werden, flankiert von erheblichen finanziellen Investitionen in die psychiatrische Infrastruktur und zusätzliches Fachpersonal.

Selbst aktiv werden: Wie sich Frauen rüsten können

Auch wenn die Verantwortung für eine korrekte Diagnose keinesfalls allein bei den betroffenen Patientinnen abgeladen werden darf, ist es enorm hilfreich, strategisch vorbereitet in das medizinische Gespräch zu gehen. Hier sind einige bewährte Empfehlungen:

  • Führen Sie über mehrere Monate hinweg ein Tagebuch oder nutzen Sie eine App, um Zyklusverlauf, spezifische Beschwerden und deren Intensität schonungslos zu dokumentieren.
  • Prä

    Author

    • Pamela wurde 1996 in Karlsruhe geboren. Bereits als Teenagerin begann sie 2013, ihre Workouts und Selfies auf Instagram zu posten. Ihre weltweite Popularität explodierte 2020 während der Pandemie, als ihre Workout-Videos auf YouTube viral gingen. Heute ist Pamela eine erfolgreiche Unternehmerin: Sie besitzt eine eigene mobile App, die Marke für gesunde Ernährung „Naturally Pam“ und die Kosmetiklinie „Éla Beauty“.

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